Ausgabe 1/2021
Nr. 108
13/26

Gemeinsam nach vorne

Mitarbeiter bei der Maschinen-Wahl mit einzubeziehen, ist inzwischen in vielen Firmen gängige Praxis – die Beteiligung der Mitarbeiter am Unternehmen eher noch nicht. Dass dies aber ein Schlüssel zum Erfolg sein kann, zeigt die Firma Heitkamp & Hülscher aus Stadtlohn. Hier ist dieses Modell seit über 15 Jahren einer der Schlüssel zum Erfolg.


Anfang der Neunziger übernahm Erwin Hülscher, das Bauunternehmen Heitkamp & Hülscher von seinem Vater. Ein Unternehmen, dem es damals nicht gut ging. Nicht jeder hätte sich auf so eine „Mission“ eingelassen, aber Erwin Hülscher war davon überzeugt, dass dieses Unternehmen Zukunft hat und zwar aus einem für ihn recht einfachen Grund: die Mitarbeiter. „Schon damals musste ich feststellen, dass die Mitarbeiter meines Vaters sich viel mehr mit ihrem Unternehmen identifizierten als die Mitarbeiter meines damaligen Arbeitgebers“, erklärt Erwin Hülscher. Die Übernahme aller Mitarbeiter in das neue Unternehmen, die Heitkamp & Hülscher GmbH & Co. KG, war für ihn daher ein logischer Schritt – auch wenn dieser mit einigen Risiken verbunden war. Letztendlich waren genau diese Mitarbeiter jedoch der Schlüssel zum Erfolg, der sich dann auch relativ zügig einstellte. Und das in einer Zeit, in der die Baubranche alles andere als florierte.

„Seit der Firmenübernahme haben wir kein einziges Jahr ohne Gewinn abgeschlossen“, gibt Erwin Hülscher stolz zu Protokoll. „Durch ein besseres Projektmanagement und dank moderner, innovativer Technik konnten wir dieses ‚alte‘ neue Familienunternehmen wieder in die Erfolgsspur bringen.“ Die Technik war ein zentraler Erfolgsfaktor. Sukzessive erneuerte Hülscher die teils hoffnungslos überalterten Maschinen. Das sorgte auch bei der Belegschaft für positive Anreize. „Für die Mitarbeiter war es nach den Jahren in den ‚Ölsardinen‘ ein Gefühl, wie Weihnachten und Ostern zusammen“, erinnert sich Werkstattleiter Frank Schlamann. Der gelernte Schlosser war einer der ersten neuen Mitarbeiter seit der Firmenübernahme und fungiert als Hauptansprechpartner für Maschinen-Neuanschaffungen und technische Innovationen. Denn eines steht fest: Maschinen von der Stange gibt es beim H-Team – wie man sich gerne in Anlehnung an die US-Serie „Das A-Team“ aus den Achtzigern nennt – nicht.

Gelebte Innovationskraft
Doch nicht nur im technischen Segment strebt das H-Team danach, dem Markt einen Schritt voraus zu sein, auch in der Unternehmensführung handelt Heitkamp & Hülscher überzeugend innovativ. Das Unternehmen zeichnet sich durch eine moderne und vor allem gelebte Kommunikationskultur aus. Dazu zählen auch jährliche Mitarbeiterbewertungen, bei denen jeder Mitarbeiter sich selbst und seine Vorgesetzten oder als Führungskraft die ihm unterstellten Mitarbeiter evaluiert. Dass dies, genau wie auch die Zeiterfassung und weitere Organisa­tionsschritte, vollständig digital erfolgt, ist beim H-Team Standard. „Sprach man am Anfang von Corona noch davon, dass man digitaler werden muss, so kennen unsere Mitarbeiter dies gar nicht anders“, erzählt Erwin Hülscher.

Das Herzstück dieses Unternehmens mit seinen rund 100 Mitarbeitern ist das 2006 gegründete Mitarbeiterunternehmen. „Einen jährlichen Bonus den Mitarbeitern auszuzahlen, das ist sicherlich am Anfang hilfreich, verliert aber mit der Zeit an positiver Wirkung“, weiß Erwin Hülscher zu berichten. Also entschied sich der Firmenchef damals für ein Geschäftsmodell, das darauf basiert seine Mitarbeiter am Unternehmensgewinn zu beteiligen, ohne aber dabei auch die Risiken mit ihnen zu teilen. So entstand die H&H Team GmbH & Co. KG. Dem Mitarbeiterunternehmen, dem jeder Mitarbeiter beitreten kann, der seit mindestens drei Jahren bei Heitkamp & Hülscher arbeitet, gehört dabei der gesamte Maschinenfuhrpark. Für das operative Geschäft leiht das Mitarbeiterunternehmen die Baumaschinen dann an das operative Bauunternehmen aus. Es handelt sich sozusagen um eine Baumaschinen-Vermietung im eigenen Hause. „Frei nach der Devise vom Mitarbeiter zum Mitunternehmer, ermöglichen wir so den Leuten ohne erhöhtes Risiko, etwas für ihre Altersvorsorge zu tun“, erklärt Werkstattleiter Frank Schlamann, der zugleich auch der Prokurist des Mitarbeiterunternehmens ist. Wer Interesse an diesem Mitarbeiterbeteiligungsmodell hat, kann sich gerne bei Erwin Hülscher melden.

Ausgezeichnete Leistung

Diese Entscheidung kommt auch den Maschinen zugute, erklärt Swecon-Verkäufer Christoph Tepasse: „Die Leute gehen einfach anders mit den Maschinen um, wenn sie wissen, dass es sozusagen ihr Eigentum ist.“ Auch den Umstand, dass hier direkt mehrere Mitarbeiter über den Firmenbesitz mitentscheiden, bewertet er deutlich positiv: „Sicher können nicht immer alle Wünsche aller Parteien umgesetzt werden, aber man pflegt hier einen sehr professionellen Austausch und findet immer eine gute Lösung.“ Eine Tatsache, die auch Erwin Hülscher hervorhebt: „Transparente Kommunikation, egal ob mit den Kunden, unseren Mitarbeitern oder aber unseren Partnern, ist das A und O, damit so ein Geschäftsmodell erfolgreich umgesetzt werden kann. Daher schätzen wir nicht nur unsere Baumaschinen von Volvo Construction Equipment, sondern auch sehr die Zusammenarbeit mit Swecon. Das passt einfach.“ Dieser Ansatz war für die Oskar-Patzelt-Stiftung einer der Gründe, das Unternehmen 2019 mit dem großen Preis des Mittelstandes auszuzeichnen. Das H-Team blickt zuversichtlich in die Zukunft, die nächste Familien-Generation ist bereits aktiv im Unternehmen integriert. Dass dieses Unternehmen und seine Mitarbeiter Erwin Hülscher aber wirklich ans Herz gewachsen sind, daraus macht er kein Hehl: „Wir hatten einige Kauf-Angebote, aber das würde mir nie in den Sinn kommen – das käme einem Verrat gleich. Gemeinsam haben wir hier etwas aufgebaut und daher werden wir auch gemeinsam weiterhin danach streben, den Mitbewerbern einen Schritt voraus zu sein.“